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Vergangenen Monat habe ich eine Stufe in der Mensa übersehen und mir den Knöchel verstaucht (Teller sind heil geblieben), auch bis zum siebten Semester also noch nicht richtig laufen gelernt. Dafür geschafft, Peinlichkeiten zu umgehen, äh, mit Peinlichkeiten umzugehen.

Wir entscheiden uns nicht für einen Weg in die Zukunft, wir probieren aus und verlieren vielleicht die Orientierung. Wertvolle Zeit geht verloren. Die Vergänglichkeit flüstert nicht mehr, sie schreit uns ins Ohr – Tinnitus. Alle wollen alles auf einmal. Tausend Möglichkeiten, herrlich, aber was tue ich, was tue ich? Mein Wegweiser ist die Leidenschaft.

Kein Puls. Ich fasse mir an mein Handgelenk. Lege zwei Finger auf die Innenseite. Kein Puls. Etwas schlägt doch im Inneren, wie zarte Flügel, durchscheinend, aber kraftvoll. Meine Hände suchen diesen Punkt. Andere Hände finden ihn.

Sie fühlen sich kühl an auf meiner Haut, wandern dem Flügelschlag hinterher, der sich erst in kleinen, dann in großen Kreisen um die Stelle bewegt, an der ein Herz sitzen müsste. Es ist so heiß hier. Die Hände verteilen kleine Schweißperlen, verreiben sie, dass sie das Sonnenlicht großflächig reflektieren. Die Libelle schlägt ihre Flügel schneller.

Die süditalienische Stadt Neapel ist laut und voll, insbesondere abends am Wochenende, wenn sich die Menschen draußen in den Straßen treffen, um zu feiern, zu schwatzen oder eine Pizza zu essen (nein, nicht eine Pizza, die Pizza – am besten, finde ich, con bufala e melanzane, mit Büffelmozzarella und Aubergine).

Die große Ausmist-Aktion begann um 21 Uhr im Schlafanzug und endete … noch immer nicht. Vielmehr entschieden wir uns an jenem Abend, einen Seelsorger-Trip zum nächstgelegenen Supermarkt einzuschieben, um noch nicht kontaminierte Schokolade zu kaufen. Zur Beruhigung.