#LockdownLiftup Nr. 1

Wir schreiben Mittwoch, den 10. März 2020. Jack Johnson spielt Gitarre, ich spiele Wordracers. Das ist ein Spiel, bei dem man Buchstaben so verbinden muss, dass mehrere Wörter entstehen. Der Lockdown greift meine Gehirnzellen an. Das Spiel ist ein schlechter Ausgleich, kein Impuls von der Welt hinter meinem Schreibtisch. Für einen ergiebigen #LockdownLiftup empfehle ich die Science-Fiction-Serie 3% mit anschließender Diskussion über die politische Rolle von Jugendlichen in den Gesellschaften Deutschlands, Brasiliens und Ägyptens.

3% ist eine brasilianische Netflix-Produktion, die die Geschichte einer Revolution erzählt. Sie umfasst vier Staffeln mit insgesamt 33 Folgen. Es empfiehlt sich sehr, die Serie in der Originalsprache mit Untertiteln zu gucken – einfach auch, weil Portugiesisch den Ohren schmeichelt.

Kurz & Knapp: Nur 3% der Bevölkerung Brasiliens dürfen auf der „Insel“ in Wohlstand leben. Alle anderen kämpfen auf dem Festland um ihr Leben – es gibt von allem zu wenig: Wohnraum, Lebensmittel, Medizin. Das Ticket auf die „Insel“ ist ein Prozess, an dem alle einmalig teilnehmen dürfen, die 20 Jahre alt sind. Wer den Prozess gewinnt, darf gehen, wer verliert, muss auf dem Festland bleiben. Die Hauptfiguren, sechs Jugendliche, kämpfen im Prozess gegen- und miteinander, hinterfragen das System der Auswahl und beginnen, ihre Gesellschaft neu zu denken.

Darum sehenswert: Die Hauptfiguren und ihre unterschiedlichen Lebenssituationen sind in der Serie so nuanciert beschrieben, dass ich zwischen den Folgen Pausen einlegen musste – sonst hätte ich den Erzählstoff nicht verarbeiten können. Die ErzählerInnen der Geschichte überwinden dichotome Kategorien wie „Gut“ und „Böse“, indem sie Widersprüchen zwischen den Perspektiven der Hauptfiguren Raum geben. Das Format ist sehr spannend, thematisiert aktuelle gesellschaftliche Konflikte und unterhält. (Und, danke Netflix: Die Schauspielerin und Transfrau Marina Matheus übernimmt ab der zweiten Staffel eine Nebenrolle.)

Fragen zum Nachdenken: Wie reproduzieren wir soziale Ungleichheit? Wer kann etwas dagegen unternehmen? Tragen Jugendliche heute eine größere Verantwortung für gesellschaftlichen Wandel als Erwachsene? Sind Frauen besser für Machtpositionen geeignet als Männer? Wie lässt sich feststellen, dass ein Mensch intelligent ist?

Veröffentlicht von Katinka

22 Jahre alt, Studentin der Ethnologie und Politikwissenschaft, Leipzigerin. Fotografiere, schreibe, lese viel (Zeitung).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s