Wie geht es weiter?

Ich habe gerade den besten Film der Welt gesehen. Am Anfang dachte ich gar nichts. Dann dachte ich wooah und neeein und das gibt’s doch nicht. Und dann dachte ich wieder gar nichts. Wisst ihr, in dem Film geht es um eine Tänzerin. Die sich verletzte, mehrere Jahre aussetzen musste, eine hohe Entschädigungssumme ausschlägt und nun versucht, wieder einzusteigen. Sie will den Traum, den sie hatte, seit sie denken kann, leben. Sie will für eine Ballettkompanie tanzen. Ich kenne die Tänzerin schon sehr lange, sie heißt Tara und kommt aus Australien. Und sie hat in der Ballettschule, die sie in Sydney besucht hat, viele Freunde gefunden. Im Film trifft sie die meisten wieder. Tara hat mich aufgemuntert, manchmal genervt, manchmal auch ziemlich beeindruckt – wenn ich krank war oder von der Schule nach Hause kam oder wenn ich Ferien hatte oder mein Zimmer aufräumen musste (ziemlich oft, also). Tara und das Ballett haben mich fasziniert. Ich habe mir vorgestellt, auch so zu tanzen, schwerelos und voller Energie. Das ist eine Weile her. Der Film hat mich daran erinnert, wie oft mich Tara und ihre Freunde getröstet und unterhalten haben. Wenige Serien haben sich so echt angefühlt. Taras Gefühle waren, wenn sie tanzte, beinahe greifbar – so viel Freude und Schmerz und Glück, und das alles auf einmal. Sie jetzt wiederzusehen war, wie eine alte Freundin zu begrüßen, wie eine feste Umarmung. Als ich 16 Jahre alt war, war Tara es auch. Und jetzt bin ich erwachsen, genau wie sie. Tara ist für mich nicht einfach eine Figur aus einer Serie oder einem Film, sie ist echt. Ich habe sie unglaublich gern, habe mit ihr gelacht, mich für sie geschämt, mit ihr gelitten, geweint. Tue es jetzt noch. Der Film hat mich berührt, weil Tara so ein emotionaler Mensch ist. Weil sie glaubt zu wissen, was sie will, am Ende aber etwas anderes braucht. Tara ist zielstrebig und sensibel, sie liebt und gibt und nimmt, ist stark, verletzt, auf der Suche nach dem Glück. Ihrem Glück. Tara ist wie ich. Sie ist wie jede und jeder von uns. Aber sie versteckt das alles nicht, sie trägt es nach außen. Und das ist es, was sie so besonders macht. Am Ende des Films war Tara nicht die, die sie immer hatte sein wollen. Sie war die, die sie wirklich ist. Für den Moment. Sie hat sich selbst gefunden und eine Aufgabe, die sie erfüllt, ohne sie zu zerbrechen. Vielleicht wirklich nur für eine kurze Zeit. Dann beginnt ihre Suche von Neuem, aber mit mehr Halt: in der Welt und in sich selbst. Zumindest glaube ich das. Ich hatte immer Ziele, ich wusste immer (ungefähr), was ich will. Aber jetzt? Jetzt möchte ich erst einmal herausfinden, was ich brauche. Wie Tara.

6 Kommentare

  1. Nach den ersten Zeilen des Lesens Deines Eintrages hatte ich geglaubt, dass Du Tara wirklich kennen würdest, dass Du die Tänzerin aus dem Film wirklich getroffen hättest. – Beeindruckend, wie sehr Du mit dieser Figur verbunden bist, wie sehr sie Dich mit geprägt hat, Du von ihr lernen wolltest und schließlich offenbar auch konntest.

    Mit Figuren aus Filmen habe ich noch nie so eine intensive „innere“ Verbindung einzugehen vermocht, jedenfalls keine so nachhaltige. Und Serien schaue ich kaum.

    Allerdings gibt es immer mal Figuren in bzw. aus Büchern, mit denen ich zutiefst mitempfinde, die ich schließlich schätze, die mir, auch auf längere Sicht, viel mitgeben.

    Ich wünsche Dir Glück und Erfolg beim Finden dessen, was Du brauchst, was Dir wichtig ist.

    Viele freundliche und liebe Grüße an Dich!

    1. „Beeindruckend, wie sehr Du mit dieser Figur verbunden bist, wie sehr sie Dich mit geprägt hat, Du von ihr lernen wolltest und schließlich offenbar auch konntest.“ Das wird einem manchmal erst später bewusst 😉 Bevor ich den Film sah, habe ich nie so darüber nachgedacht.
      Ist es nicht irre, dass eine erfundene Figur real werden kann? Applaus für all diese talentierten Autoren da draußen.

      1. Da schließe ich mich von Herzen an. Wer derart zu schreiben vermag (ob nun einen Roman, ein Filmscript, eine Novelle, Erzählung oder sonst etwas), das eine derartige Indentifikation für Dritte möglich wird, ist ein großer Meister/eine große Meisterin.

      1. Also das ziel würde erreicht, in den man neue ziele bzw das was man vorhat weiter verflogen und nicht schnell aufgeben ,, oder auf-enden !!
        ich bin mir sicher !?? das ist ein Political Antwort auf, das junger Menschen die Neuwege suchen müssen !!!! vielen lieben dank an euch ,,,

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